Es heißt, der Weg zur Hölle sei mit guten Absichten gepflastert. Bei näherer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass es richtigerweise heißen müsste, dass der Weg zur Hölle des Einen mit den guten Absichten des Anderen gepflastert ist.

Ich habe es bereits bei vielen Anlässen die Vermutung geäußert, dass die vielen Widersprüche in unserer Welt darauf zurückzuführen sind, dass unsere Weltanschauung, d.h. die Grundlage auf der wir Urteile bilden und Widersprüche erkennen, auf falschen Prämissen gründet.

Eine dieser Prämissen ist die Annahme der Existenz einer Lösung, die es allen Recht machen könnte1. Zwar klingt in der Redensart »Man kann es nicht Jedem Recht machen« bereits durch, dass die Unmöglichkeit eines solchen Vorhabens allgemein angenommen wird, doch die Notwendigkeit diese Redensart oft bemühen zu müssen zeugt davon, dass ihr ebenso oft zuwider gehandelt wird; worin dann der nächste Widerspruch zum Vorschein kommt – der zwischen dem Wissen und dem Hoffen.

Wenn aber keine Lösung existieren kann, die in einer realen Gesellschaft allen gerecht werden kann, womit kann man das eigene Handeln und Überzeugungen begründen, ohne sich auf widersprüchliches Konstrukt stützen zu müssen.

Ich sehe (bisher) keinen gedanklichen Ausweg, außer die folgende Begründung: Mir ist es letzendes egal, ob mein Handeln auch deinen Interessen dient. Ich handele so, weil ich es kann oder glaube es tun zu müssen. Ich bin aber bereit meine Sicht der Dinge darzulegen, wohl wissend, dass diese kein Anspruch auf universelle Gültigkeit erhebt. Zudem bin ich bereit mich dem »zwanglosen Zwang« des besseren Arguments zu beugen.


  1. Der Frage, ob eine solche Lösung generell existieren könnte, will ich nicht weiter nachgehen, außer die Vermutung äußern, dass es eine Gesellschaft bedingen müsste, bei der Rousseaus volonté générale das Gleiche bedeuten müsste wie volonté de tous.