Für die menschliche Freiheit gilt: Sie ist nicht grenzenlos; sie hat ihre Grenzen dort, wo ihr Ausdruck die Rechte Anderer berührt, sofern man die Freiheit als das Recht begreift, tun zu können bzw. nicht tun zu müssen, was man möchte bzw. was man nicht möchte.

Was jedoch die Rechte selbst betrifft, gilt: Sie stellen immer einen Konsens1 darüber dar, wie viel der Schwächere bereit ist hinzunehmen bzw. wie viel der Stärkere bereit ist von seinen Möglichkeiten, über den Schwächeren zu verfügen, keinen Gebrauch zu machen.

In einer idealen Gesellschaft herrscht ein Gleichgewicht der Kräfte und die Freiheit bedeutet für alle die Wahrung der gleichen Grenzen. Nur eine solche Gesellschaft kann dauerhaft eine freiheitliche sein. Denn basiert die Freiheit auf der freiwilligen Abtretung von Rechten seitens des Stärkeren, so ist die Freiheit nur solange gegeben, solange der Stärkere seinen Verzicht auf seine Rechte aufrecht halten will. In einer solchen Gesellschaft ist die Frage nicht ob, sondern wann wieder das Recht des Stärkeren in seiner unverstellten Form Geltung findet, d.h. die anfänglich paritätische Form der Bestimmung in eine oligarche Form übergeht.


  1. Wie dieser Konsens zustande kommt soll uns hier nicht interessieren; eine Möglichkeit wäre z.B. als Folge einer Risikoabwägung, oder aber auch als Folge einer freiwilligen Abtretung von eigenen Rechten zugunsten eines höheren Guts, z.B. eines Ideals.